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Der starke Euro zwingt die EZB zum Abwarten

Der widererstarkte Euro zwingt Europas Zentralbanker in einen Zwiespalt.

Der Euro steht bei fast 1,20 US-Dollar – ein Niveau, das seit Juni 2021 nicht mehr erreicht wurde. Für die Europäische Zentralbank ist dies zwiespältig: Einerseits dämpft eine starke Währung die Inflation, andererseits belastet sie Exporteure und könnte die Konjunkturerholung ausbremsen. Bei der Sitzung am 5. Februar bleibt der Einlagensatz dennoch zum fünften Mal in Folge unverändert bei 2,0 %.

Die Datenlage rechtfertigt eine Zinspause. Die Inflation sank im Dezember auf 1,9 % und liegt damit erstmals seit Monaten wieder unter dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB. Das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal überraschte mit 0,3 % leicht positiv. Doch die Unsicherheit hat zugenommen: Der Euro legte seit Dezember um ca. 3 % zu, was zusätzlichen Deflationsdruck erzeugt. Hinzu kommen Zolldrohungen aus den USA sowie sinkende Importpreise aus China aufgrund von Überkapazitäten. Beides könnte die Inflation weiter nach unten drücken.

Gleichzeitig bestehen Inflationsrisiken fort. Die Dienstleistungsinflation verharrt bei 3,4 %, und die Lohnentwicklung überraschte im dritten Quartal mit einem Anstieg von 4,0 % im Jahresvergleich. Die EZB-Ratsmitglieder sind gespalten. Einige warnen vor Rezessionsrisiken und sehen Spielraum für weitere Lockerungen, während andere die hartnäckigen Preisrisiken im Dienstleistungssektor betonen.

Der Wechselkurs rückt in den Fokus. Österreichs Notenbankchef hat bereits gewarnt, dass eine weitere Aufwertung des Euros geldpolitische Reaktionen erforderlich machen könnte. Die Märkte haben reagiert. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Sommer stieg von 15 auf 25 %.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde dürfte bekräftigen, dass sich die Geldpolitik in einer guten Ausgangslage befinde, diese jedoch nicht festgeschrieben ist. Die EZB hält sich alle Optionen offen und entscheidet datenabhängig von Sitzung zu Sitzung. Solange sich die Unsicherheit – sei es beim Handel oder beim Wechselkurs – nicht klärt, bleibt der Einlagensatz bei 2,0 %.